Turnierbericht – erste Vielseitigkeit

Spontan nachgenannt und doch irgendwie lange auf sie hingefiebert, stand sie uns am 1.Mai endlich bevor: unsere erste Vielseitigkeit in Reesdorf.
Überraschend gelassen ging es an diesem Tag dann um sieben Uhr früh zum Turnierplatz, ich hatte mir nur wenig vorgenommen: Im Ziel ankommen und den Tag genießen. Dabei spielte das Wetter hervorragend mit, die Sonne meinte es schonmal gut mit uns!

Dressur

Im Vorfeld habe ich viele Kommentare bekommen wie „So eine E-Dressur müsst ihr ja auf einer Pobacke absitzen“ oder „Da ist euch ja eine Top Note sicher“.  Da ich mein Pferd und mich aber gut genug kenne, wusste ich, dass man sich keinesfalls in Sicherheit wiegen kann, nur weil man normalerweise in höheren Klassen startet. Ganz im Gegenteil war ich sehr gespannt, wie wir uns in einer Aufgabe schlagen würden, in der man eigentlich nichts durch gut gerittene Lektionen retten kann. Wir sind nämlich nie die entspanntesten im Viereck, was wir natürlich irgendwie ausgleichen müssen.
Auf dem Abreiteplatz war Elli trotz orkanartiger Böen absolut tiefenentspannt. Ich habe auf normalen Turnieren oft Probleme mit dem Schritt, so auch am letzten Wochenende in Westensee, doch an diesem Tag war davon nichts zu spüren. Als sechster Reiter in meiner Abteilung ritt ich nicht lange ab, konzentrierte mich nur darauf sie rund zu machen und vors Bein zu bekommen.
Eine leichte Spannung war uns im Viereck wieder anzumerken, doch Glubschi war zuhause geblieben und die mutige Elli war mit von der Partie. Ich musste während der Aufgabe mehrfach etwas über uns beide lachen. Beim Einreiten war Elli höchst verwirrt, denn wir sind vorher noch NIE im Schritt in eine Aufgabe gestartet. Auch das Anreiten sollte im Schritt vonstatten gehen, aber nach dem Grüßen dachte Elli wohl „Das kenn ich, immer schön vom Fleck weg und mit Schmackes antraben“, so schnell konnte ich gar nicht reagieren, wie sie loszog. Während der ganzen Aufgabe merkte man ihr an, dass sie immer wieder auf mein Kommando für Lektionen wartete: „ Jetzt müssen wir aber Kurzkehrt, ja ich weiß, jetzt kommt der einfache Wechsel und nun ab auf die Diagonale und Mitteltrab!“ – rundum kann man sagen, es hat einfach irgendwie Spaß gemacht. Ich hab mich so gefreut, wie sie mitgedacht hat und wie engagiert sie war, auch wenn etwas weniger hier wohl mehr gewesen wäre. Noten für die Dressur gab es nicht direkt im Anschluss.

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Foto: Victoria Weihs

Springen

Zum Springen hatten wir glücklicherweise die Unterstützung von Ann-Christin, die mir beim Abgehen des Parcours hilfreiche Tipps gegeben und auch am Abreiteplatz tapfer dem Wind getrotzt hat. Viel abgesprungen bin ich nicht, da ich schon gemerkt habe, dass Elli ziemlich Zug drauf hatte und ich sie nicht zu müde machen wollte.
Also ab in den Parcours, das läuft ja in der Vielseitigkeit ganz zwanglos nach dem Motto Wer fertig ist, kann rein. Ich bin extra noch eine Runde außen rum, an den möglicherweise bösartigen Sanitätern vorbei, doch von Stocken oder Glotzen keine Spur – der Ofen war an!
Der Parcours war ein wenig seltsam, der erste Sprung war direkt ein Oxer, den man aus einer scharfen Linkskurve anreiten musste. Da hatte ich doch etwas Angst, das Elli ihre Aufgabe nicht rechtzeitig erkennt. Absolut unbegründet, wie ich schnell merkte. An keinem Sprung zögerte sie, lediglich in eine Distanz auf vier Galoppsprünge kamen wir sehr flott heran, weil sie leicht bergab ging, wurde es dann am Aussprung ziemlich eng und es klapperte kurz. Es blieben aber alle Stangen oben und wir hatten den Kurs in 53 Sekunden absolviert. Die Höchstzeit habe ich gar nicht mitbekommen, und auch von meinen Mitreitern habe ich nichts gesehen oder gehört, weshalb ich gar nicht wusste, wie wir so dastanden.

Gelände 

In der Pause konnten wir die Strecke einmal zu Fuß und sogar zu Pferde besichtigen, was mir eine Gebirgskette vom Herzen fallen ließ. Durch unser abgesagtes Training letzte Woche hatten wir leider keine Gelegenheit mehr, die Strecke vor dem Turnier zu bereiten, und einige Sprünge war ich mit Elli noch nie gesprungen. Da kam es mir jedenfalls sehr gelegen, ihr alles einmal im Vorbeigehen zeigen zu können.
Pünktlich zum Abreiten kam auch meine Trainerin, das gab auch noch mal Selbstvertrauen, auch wenn wir nur noch wenige Sprünge gemacht haben. Elli hatte ein ziemlich intensives Schläfchen in der Mittagspause abgehalten, weshalb ich etwas Sorge hatte, dass sie nicht mehr so frisch sein würde. Diese Angst hat sich aber auf dem Abreiteplatz sofort wieder gelegt, sie war definitiv noch im Modus!
Als ich zum Start hochritt, war ich auch noch ganz ruhig, als ich dann aber an der Startlinie stand und die Zeit untergezählt wurde, schlug mir das Herz bis zum Hals.
Warum zur Hölle gibst du dich nicht mit dem Kringelreiten zufrieden???

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Foto: Victoria Weihs

3,2,1 – Go! Jetzt war es auch zu spät, also erstmal Fahrt aufnehmen und bei den ersten Sprüngen lieber etwas dranbleiben. Keine Probleme bei den Sprüngen eins bis drei, danach kam die erste Galoppstrecke, bei der sie auch gut anzog. Nach dem vierten Baumstamm im Kurs kam eine lange Strecke den Berg hoch, auf dessen Spitze ein weitere Baumstamm stand. Elli ist absolut kein Fan von Sprüngen auf Anhöhen, wenn sie nicht sehen kann, was danach kommt. Sie zögerte hier kurz, ließ sich aber super wieder in die Bahn lenken. Es folgten ein kleiner Oxer, ein Reifensprung, eine Stufe und der erste Wasserdurchritt. Das mit dem Durchreiten hat Elli noch nicht so ganz verstanden, sie ging auf Nummer sicher und machte lieber einen Riesensatz ins Wasser, wodurch etwas der Fluss verloren ging. Die Hecke nach dem Wasser auf einem Hügel kriegten wir aber noch hin, danach war ich erstmal kurz K.O. und dachte: Die muss jetzt auch wollen, sonst wird das nichts, ich kann nicht mehr! Aber mein Kämpferherz wollte und zog weiter zu den nächsten Aufgaben. Und zum Glück konnte ich mich auf einer längeren Galoppstrecke kurz erholen. Die beiden anderen Wasserdurchritte nahm Elli auch eher als Einsprünge, machte aber einfach einen super Job! Sie hatte Biss, sie hatte Mut und auch sichtlich Spaß an dem Parcours.

Im Ziel angekommen, war ich unfassbar glücklich. Da geht mein Pferd doch glatt fehlerfrei einfach mal so durch eine Geländestrecke. Wer uns schon länger kennt, weiß, dass das früher unvorstellbar war. Deshalb konnte ich die Tränen auch nicht zurückhalten, als wir es tatsächlich geschafft hatten. Ich war unsagbar stolz auf mein verrücktes Pony, der wahrscheinlich emotionalste Moment unserer Beziehung bisher.

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Foto: Victoria Weihs

Bis hierhin hatte ich keine Ahnung, wie unsere Dressur bewertet wurde und hatte auch den ganzen Tag nicht an Platzierungen oder ähnliches gedacht. Die Note habe ich mir mit Absicht nicht angeschaut, weil ich einfach diese neue Erfahrung genießen wollte. Das hat geklappt und noch viel mehr hat Elli mir an diesem Tag ermöglicht. Zur Siegerehrung ging ich in der Gewissheit, dass wir eine Schleife bekommen würden, jedoch war ich nach meiner Dressur mit der Note 7,3 auf dem dritten Platz und war im Gelände fünf Sekunden über der Idealzeit. Deshalb dachte ich, wir würden uns irgendwo zwischen dem dritten und fünften Platz einordnen, was auch schon eine phänomenale Leistung in meinen Augen gewesen wäre. Dann wurde plötzlich verkündet, dass wir gewonnen haben UND Kreismeister geworden sind. Unglaublich.

Danke Elli! Und Danke an alle, die diesen Tag unvergesslich gemacht haben!

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Ein Gedanke zu “Turnierbericht – erste Vielseitigkeit

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